Salz, das Gold der Zukunft?

 

Wir haben eine Vielzahl von Meinungen bei unseren Infoständen und Unterschriftenaktionen eingesammelt. Manche auch nur bei Gesprächen auf dem Sportplatz, mit dem Nachbarn oder beim Kaufladen. Es gab sachliche und emotionale Beiträge, als auch "Glaubensbekenntnisse" sowohl Pro als auch Kontra.

Wir sehen das alles als einen Beitrag zur inhaltlichen Diskussion und haben uns die Mühe gemacht, die Meinungen zusammenzufassen.

 

Lesen Sie den Bericht in dem wir meinen, das aktuelle Stimmungsbild in der Gemeinde ganz gut wiederzugeben.

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Mit der geplanten Wiederinbetriebnahme des Schachtes Siegfried Giesen tritt K+S in ein neues Zeitalter der Kaliförderung ein. Werden die Planungen in die Realität umgesetzt, wäre das nach über 40 Jahren die erste Inbetriebnahme eines Kali-Bergwerkes in Deutschland. 

Kontrovers und Emotional wird die mögliche Reaktivierung von Siegfried Giesen diskutiert. Den Einen ist die Belastung zu groß. Andere wünschen sich eine Wiederbelebung der fast ausgestorbenen Bergmannskultur. Was bleibt für eine offene Diskussion bei einer sachlichen Betrachtung?

"Salz schafft Arbeitsplätze!"
Für den Betrieb eines Bergwerkes benötigt man Mitarbeiter mit Erfahrungen. Diese Arbeitskräfte werden zu Beginn der Förderung bis auf einige Ausnahmen nicht in der Region zu finden sein, sondern von außerhalb nach Giesen kommen. Auf lange Sicht ist die Perspektive aber nicht schlecht, dass vermehrt Mitarbeiter aus der Region einen Arbeitsplatz in Siegfried-Giesen finden werden.


"Wertschöpfung des Salzes"
Jedes Unternehmen, welches profitable arbeitet, schafft Wertschöpfung. Genau in dem Satz liegt aber auch das gesamte Risiko. Der Kalimarkt ist umkämpft, es herrscht ein harter Preiskampf. Auch wenn man in Giesen hochwertige Magnesiumsalze fördern wird, so geschieht dies nicht ohne Wettbewerb. Ein Preisverfall wird dazu führen, dass die Rentabilität sinkt. Auch Steuereinnahmen schrumpfen dann schnell. Die Zukunftsmärkte für Kali liegen auch nicht mehr in Europa. Schwellenländer versuchen aufzuschließen und locken mit geringen Auflagen, geringen Lohnkosten und kurzen Wegen zum Kunden. Alles Punkte, die den Standort Siegfried-Giesen dauerhaft unter Druck setzen werden.


"Der gute Nachbar Salz"
Man kann annehmen, dass K+S weiß, dass Kaliförderung Akzeptanzprobleme mit ihren Nachbarn mit sich bringen kann. Es ist auch zu beobachten, dass sie sich diesem Problem stellen und gerne bereit sind, dass öffentliche Leben mit entsprechenden Kompensationen zu unterstützen. Förderung von Vereinen und ein offenes Ohr bei den täglichen Problemen des Gemeindelebens scheint zu ihrer Kultur zu gehören. K+S will ein guter Nachbar sein.
Das ganze scheint aber auch mit dem Wissen zu geschehen, dass von ihren Nachbarn einiges abverlangt wird. Kaliförderung geht nicht ohne Staub und Dreck, dies sollte dann im Gegenzug akzeptiert werden.


"K+S tut alles, um die Belastung klein zu halten!"
"K+S wird die gesetzlichen Auflagen einhalten!" - So einfach ist es dann allerdings doch nicht. Das Umweltgesetz ist eine sehr komplizierte Materie und lässt gewisse Spielräume zu. Der normale Bürger ist in den meisten Fällen überfordert, die Belastungen, die er wahrnimmt, in akzeptable Forderungen zu kleiden. Positiv ist zu erkennen, dass K+S durchaus offen für eine Umweltdiskussion ist und sich eigenen Verhaltensregeln unterwirft. Aber in erster Linie ist K+S ein Wirtschaftsunternehmen welches in einem harten Wettbewerb steht. Es ist nicht auszuschließen, dass Maßnahmen zur Reduzierung von Belastungen die über das gesetzlich Notwendige hinausgehen, ungenutzt bleiben.

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"Salz ist gut für die Region!"

Eine Region profitiert von einem erhöhten Steueraufkommen, mehr Aufträge für die lokalen Zulieferer und Arbeitsplätzen. Passt das Projekt dann noch in die langfriste Enwicklungsplanung der Gemeinde und ist Nachhaltigkeit garantiert, so steht dem nichts mehr im Wege.
Die Strahlkraft des Kalibetriebes hängt sehr von diesen Punkten ab. K+S ist sich offentsichtlich dessen bewusst und unternimmt entsprechende Anstrengungen, diese Themen zu fördern.
Diese positiven Effekte sind aber keine Selbstgänger. Steuereinnahmen für die Gemeinde sind in der Regel von der Profitabilität des Unternehmens abhängig. K+S hat es in der Vergangenheit gut verstanden, sich eine solide Profitabilität zu sichern. Die nahe Vergangenheit hat aber gezeigt, dass der Kalimarkt in Bewegung ist und die alten Strategien nicht mehr funktionieren. All das steht kontinuierlichen Steuereinnahmen, so wie sie sich die Gemeinde wünscht, entgegen.

Giesen musste sich nach der Schließung der Kaliförderung Mitte der 1980er Jahre nach neuen Einnahmequelle umsehen. Die Gemeinde wurde zur Wohngemeinde umgestalten und die Ansiedlung mittelständischer Betriebe gefördert. Die Gemeinde ist gut damit gefahren und hat die Restrukturierung hinbekommen, die der Verlust einer solch großen Industrie mit sich bringt.
Die Wiederinbetriebnahme des Schachtes steht nun allerdings etwas konträr zu der Entwicklung der letzten 30 Jahre. Viele zugezogene Familien, die viel Geld in die Gemeinde gebracht haben, sehen ihre Investitionen gefährdet.

Auch der Blick in die nach-Kalizeit erscheint nicht durchweg rosig. K+S plant den Betrieb nach 40 Jahren wieder einzustellen. Zurückbleiben wird eine zweite Halde mit noch nicht vollständig absehbaren Auswirkungen. Die nächste Generation wird sich dann der Herausforderung stellen müssen, ihr Umfeld neu zu gestalten, bei einer schlechteren Ausgangslage.

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"Salz - das Glück der Gemeinde?"

Die Kaliförderung wird das Leben in der Gemeinde nachhaltig, auch für kommende Generation, verändern. Einige Anwohner werden Lebensqualität verlieren. Andere Anwohner können wieder das Bergmannsbrauchtum pflegen und persönlich neue Perspektiven entwickeln. Wenn alles gut läuft, bekommt die Gemeinde die Möglichkeit, ihre Schulden besser in den Griff zu bekommen und die eine oder andere Investition zu tätigen, die anders nicht möglich ist. Vereine können sich besser entwickeln und vielleicht Ergebnisse erzielen, die sie ohne die eine oder andere Finanzspritze nicht hinbekommen hätten.
Das Ganze hat aber Risiken. Eine Industrie dieser Größenordnung behindert die heterogene Entwicklung einer Gemeinde. Es gibt gute Gründe für andere Firmen, die der Kaliindustrie fern stehen, sich nicht in solchen Regionen anzusiedeln. Aufgrund der Konzentration auf die Kaliförderung begibt sich die Gemeinde Giesen in eine erhebliche Abhängigkeit. Heterogene Wirtschaftsstandorte haben es da etwas einfacher. Bricht dort mal einer ihrer Firmen weg, so ist das für die Gemeinde in der Regel leicht zu kompensieren. Hängt die Wirtschaft einer Region an einem Betrieb, kann das schnell zu großen Krisen führen, wie einst im Ruhrgebiet beim Sterben der Kohle.

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Der Bericht ist als Beitrag zu einer offenen Diskussion zu verstehen. Die Thesen sind entstanden aus Meinungsäußerungen in den Diskussion mit den Anwohnern der Gemeinde. Habe Sie auch eine Meinung oder Wahrnehmung, so würden wir uns freuen, wenn Sie sie sich in unserem Forum einbringen.