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Schachtanlage Fürstenhall

Auch das ehemals eigenständige Kaliwerk Fürstenhall stand von Anfang an unter dem Einfluss der Gumpel-Gruppe. Die ersten Kaligewinnungsverträge mit den Ortschaften Ahrbergen, Groß Förste und Groß Giesen gingen abermals auf den Bergingenieur Dziuk zurück. Dazu kamen weitere Berechtsame der Gewerkschaft Emmerke. Um das hannoversche Berggesetz auszuhebeln, griff Hermann Gumpel abermals auf eine gothaische Gewerkschaft mit dem Namen Fürstenhall zu Thal zurück, die sämtliche Grubenfelder mit einer Gesamtfläche von 7,8 km² am 26. Oktober 1906 übernahm. Als Betreibergesellschaft wurde am 22. Oktober 1906 die Fürstenhall Bergwerksgesellschaft gegründet.

Durch die Bohrergebnisse der benachbarten Kaliwerke Sarstedt erwartete man gute Salzaufschlüsse und wies den Salzstock durch mehrere Flachbohrungen in den Gipshut nach. Zwei Tiefbohrungen, von denen eine zur Erkundung des Schachtbereiches dienen sollte, zeigten schließlich insgesamt drei Kalilager bei 273 Metern, 331 Metern und 732 Metern Teufe. Unter diesen wurde auch das bekannte Hartsalzvorkommen aufgeschlossen, das hier eine Mächtigkeit von 12 Metern hatte und durchschnittlich 22 % Kaliumchlorid enthielt.

Mit dem Abteufen des Schachtes Fürstenhall südlich von Ahrbergen wurde am 5. Februar 1908 begonnen. Von Anfang an wurde ein Verbund mit dem nur 1300 Meter entfernten Schacht Siegfried vorgesehen. Da sich schon bei geringer Schachtteufe erhebliche Wasserflüsse einstellten, griff die Gewerkschaft Fürstenhall abermals auf das Schachtbohrverfahren nach Kind-Chaudron zurück. Die Bohrarbeiten wurden bei einer Teufe von 168 Metern eingestellt und die wasserdichte Schachtauskleidung aus Gusseisen einzementiert. Danach wurde der Schacht auf konventionelle Weise weitergeteuft. Bei 200 Metern wurden Gase angetroffen, die kurzzeitig einen Abbruch der Arbeiten notwendig machten. 1912 war der Schacht schließlich 400 Meter tief und am 27. Juli 1913 erfolgte die Fertigstellung der Endteufe von 775 Metern. Der Schacht hatte zuletzt einen Durchmesser von 4,5 Metern.

Als Fördersohlen wurden die 400-, 475-, 550- und 650-m-Sohle vom Schacht aus aufgefahren. Von der 650-m-Sohle aus wurde die Verbindung zum Schacht Siegfried hergestellt. Mit dem Bergwerk Glückauf wurde ein Abkommen geschlossen, wonach der Schacht Fürstenhall als dessen zweiter fahrbarer Ausgang dienen sollte, da dem Werk in Sarstedt das Kapital für einen weiteren Schacht fehlte. Der Durchschlag zwischen den beiden Gruben erfolgte auf der 550-m-Sohle.

Der Bergwerksbetrieb wurde auf Fürstenhall offiziell im Februar 1914 eröffnet. Erste Kalisalze hatte man bereits bei der Vorrichtung im Dezember 1910 gewonnen. Über Tage wurden eine Schachthalle mit Fördergerüst, Fördermaschinengebäude, Rohsalzmühle mit zwei Mahlsystemen und Verladung, Sozialgebäude sowie Gebäude für die Infrastruktur und Verwaltung errichtet. Das Kaliwerk wurde mit der gemeinsam mit Siegfried und Rössing-Barnten betriebenen Grubenanschlussbahn nach Harsum verbunden. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte kurzfristig zur Wiedereinstellung der Förderung, gerade noch rechtzeitig wurde eine Beteiligungsquote am Deutschen Kalisyndikat erteilt. Während des Krieges wurde in geringem Umfang von Siegfried aus Bergbau im Feld Fürstenhall betrieben. Nach Kriegsende wurde 1919 der Betrieb erneut aufgenommen, musste aber bereits am 15. März 1921 wieder gestundet werden. Nach 1923 wurden keine untertägigen Arbeiten mehr ausgeführt, die Quote wurde auf andere Gumpel-Werke, vor allem Siegfried, übertragen. Am 12. Dezember 1928 wurde die Gewerkschaft Fürstenhall aufgelöst und das Eigentum dem Burbach-Konzern überschrieben. Durch die Verbindung zu Siegfried diente der Schacht Fürstenhall fortan als ausziehender Wetterschacht und wurde als Kalibergwerk Siegfried-Giesen, Schachtanlage Fürstenhall bezeichnet.

Die vorhandenen Grubenbaue wurden 1935 an die deutsche Wehrmacht verpachtet, die dort eine untertägige Heeresmunitionsanstalt einrichtete. Dazu wurde auch ein Teil der Belegschaft von Siegfried nach Fürstenhall abkommandiert. Um Raum zu schaffen, sollten Salze von Fürstenhall nach Sarstedt versetzt werden. Da der Schacht nie ganz abgedichtet werden konnte, mussten häufiger Reparaturen durchgeführt und bei 200 Meter Teufe ein Laugenauffangbehälter aufgestellt werden. Im April 1945 wurde Fürstenhall durch alliierte Truppen besetzt und erst 1947 wieder an das Kaliwerk Siegfried-Giesen überlassen. 1954 wurde eine weitere Verbindung auf der 550-m-Sohle geschaffen. Entsprechend seiner Verwendung als Wetter- und Materialschacht wurde Fürstenhall 1967 ausgeraubt und das Fördergerüst durch eine Hilfsfahranlage mit ausklappbaren Schachtbühnen ersetzt.

 

 

 

 

 

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